Vorläufiges Programm

„Feministische Generationendialoge“

vom 22. bis 24. November 2018
im Historischen Museum in Frankfurt am Main

Vor 100 Jahren erstritten Frauen* in Deutschland das Wahlrecht, 50 Jahre später etablierte sich die autonome Frauenbewegung. Beide Ereignisse haben die Geschichte tiefgreifend verändert und wichtige Weichen gestellt. Gerade in Frankfurt hat das Eintreten für politische Rechte und Teilhabe von Frauen* und Mädchen* eine lange Tradition.

Der Kongress legt den Fokus auf feministische Bewegungen in Frankfurt. Erfahrungen, Erinnerungen und Themen sollen in ihrer Kontinuität diskutiert und archiviert werden. Ziel ist es, unterschiedliche Generationen feministischer Bewegungen und ihre Kämpfe in Frankfurt zusammenbringen sowie den intersektionalen Blick in und auf Geschichte zu schärfen. Angesichts des Erstarkens rechtspopulistischer und antifeministischer Kräfte erscheinen feministische Generationendialoge, das Nachdenken über Bündnisse und Allianzen und die Mobilisierung von Solidarität erforderlich.

Veranstalterin ist das Frauenreferat der Stadt Frankfurt in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung Hessen sowie dem Cornelia Goethe Centrum. Unterstützt vom Historischen Museum Frankfurt, dem Amt für multikulturelle Angelegenheiten, dem Künstlerhaus Mousonturm, der Evangelischen Akademie Frankfurt und dem Frauenbegegnungszentrum EVA.

Tag 1

Donnerstag, 22. November 2018

ab 16 Uhr
im Historischen Museum

Ablauf

16 Uhr
Tagungsbüro geöffnet. Anmeldung und Ankommen bei Kaffee und Kuchen.

17.30 Uhr
Begrüßung durch Rosemarie Heilig (Dezernentin für Umwelt und Frauen)

18 Uhr
Beginn des Auftaktpodiums
Es diskutieren: Dorothee Linnemann, Sybilla Flügge, Jutta Ebeling, Gabriele Wenner, Dörthe Jung, Christiana Klose, Eleonore Wiedenroth-Coulibaly , Simin Jampoolad, Encarnación Gutiérrez Rodríguez, Türkân Kanbıçak, Virginia Wangare-Greiner, Sinah Klockemann, Judit Alema, Shiva Amiri, Nabila Bushra und Mädchen* und viele mehr.
Es moderieren: Hadija Haruna-Oelker und Mechtild M. Jansen als Co-Moderation (Heinrich-Böll-Stiftung Hessen)

20.15 Uhr
Intergenerativer Imbiss und Austausch

Das Auftaktpodium lädt unterschiedliche Generationen und Positionen zur Auseinandersetzung und Begegnung ein. Es wird versucht der Vielfalt Frankfurter feministischer Geschichte, Praxis und Utopie gerecht zu werden. Dabei interessieren an diesem Abend vor allem biografische Spuren, Momente der Politisierung, Strategien der Mobilisierung. Mit dabei sind Frauen* aus Institutionen und Gruppen. Der Weiberrat ist ebenso präsent wie Initiativen von Frauen* of colour oder Migrant*innenselbstorganisationen.

Tag 2

Freitag, 23. November 2018

ab 9 Uhr
im Historischen Museum

Ablauf

9 Uhr
Ankommen mit Kaffee und Häppchen

Historisches Museum, Leopold-Sonnemann-Saal (Raum ist barrierefrei)

9.30 – 10 Uhr
Begrüßung durch Gabriele Wenner (Leiterin des Frauenreferats) und Einführung in den Tag durch Linda Kagerbauer (Frauenreferat) und Kristina Nottbohm (Heinrich Böll Stiftung)

Historisches Museum, Leopold-Sonnemann-Saal (Raum ist barrierefrei)

10 – 10.15 Uhr
Ablauf, Koordination und Vorstellung der Workshops durch Moderatorin Hadija Haruna Oelker

Historisches Museum, Leopold-Sonnemann-Saal (Raum ist barrierefrei)

10.30 – 12.30 Uhr
Workshopphase I
Ausführliche Beschreibungen der Workshops weiter unten

Historisches Museum, verschiedene Räume (nicht alle barrierefrei). In allen Räumen stehen Getränke und Snacks bereit. Pausenzeiten werden in den Workshops ausgemacht.

12.45 – 13.15 Uhr
Kurze Vorstellung der Ergebnisse

Historisches Museum, Leopold-Sonnemann-Saal (Raum ist barrierefrei)

13.15 – 14.14 Uhr
Mittagspause: Für ein leckeres Mittagessen ist gesorgt

Historisches Museum

14.30 – 16.30 Uhr
Workshopphase II
Ausführliche Beschreibungen der Workshops weiter unten

Historisches Museum, verschiedene Räume (nicht alle barrierefrei). In allen Räumen stehen Getränke und Snacks bereit. Pausenzeiten werden in den Workshops ausgemacht.

17.15 – 17.30 Uhr
Zusammentragen der Ergebnisse und Erlebnisse. Kurzer und kreativer Abschluss und Auswertung mit Hadija Haruna-Oelker

Historisches Museum, Leopold-Sonnemann-Saal (Raum ist barrierefrei)

18 – 19 Uhr
Vortrag von Dörthe Jung: „Aufbruch und Rebellion. Die zweite Frauenbewegung in Frankfurt. 1968–1990“

Historisches Museum, Leopold-Sonnemann-Saal (Raum ist barrierefrei)

20 Uhr
Femininistisch&Tanzbar – Party am Uni Campus Bockenheim (Pupille, KOZ). Mit den Djanes*: Swoosh Lieu, Nicolette Naumann, Harpreet Kaur Cholia

Studierendenhaus Bockenheim, Festsaal (Raum ist barrierefrei)

Der zweite Tag des Kongresses greift die Themen des Vorabends auf und schafft Raum für inhaltliche Diskussion und Vertiefung. Alle Workshops/Foren sind intergenerativ und intersektional besetzt und wurden im Vorfeld partizipativ erarbeitet. Es ist ein erster und innovativer Impuls Themen in ihrer Kontinuität und Aktualität aufzugreifen und zu diskutieren. Neben inhaltlichen Debatten erzählen die Referent*innen vor allem über Formen und Praxen von Kritik und Mobilisierung. Es verbindet sie Wut, Mut und die Suche nach Utopie und Allianzen. Auch hier sind diverse feministische Gruppen, Personen, Institutionen und Praxen aus Frankfurt involviert. Der inhaltliche Teil des Tages endet mit einem intergenerativ diskutierten und kommentierten Vortrag von Dörthe Jung „Aufbruch und Rebellion. Die zweite Frauenbewegung in Frankfurt. 1968–1990“.

Moderation: Hadija Haruna-Oelker

Anschließend geht es weiter zur Party in das Studierendenhaus nach Bockenheim. Ein bedeutsamer historischer und feministischer Ort für Frankfurt. Hier flog die Tomate als Reaktion auf die Ignoranz gegenüber feministischen Positionen und Personen. An diesem Abend werden wir Erfolge und Errungenschaft, feministische Kritik und Praxis feiern.

Den gesamten Tag über gibt es Essen und Getränke.

Workshopphase I (10.30 – 12.30 Uhr)

Workshop: Existenzsicherung
Historisches Museum, Seminarraum
Raum ist barrierefrei

Referent*innen: Karin-Rosemarie Bleser, Nadia Qani, Antje Schrupp, Mechthild Veil, Christiane Stapp-Osterod
Moderation: Anastasia Alexiadou (Frauenreferat)

Frauen* zwischen Arbeitsmarkt und Heiratsmarkt – früher wie heute scheint dies ein grundsätzlicher Konflikt zu sein, an dem sich die Geister scheiden. Eine selbständige Existenzsicherung von Frauen ist ein jahrhundertelanges Anliegen der Frauenbewegung. Welche Rahmenbedingungen braucht es, damit Frauen für sich selbst, für ihre Familien und für ihr Alter sorgen können? Weiblich, ledig, jung und kinderlos ist frau nur für eine kurze Lebensphase. Was passiert, wenn familiäre Aufgaben und Abhängigkeiten hinzukommen?

Gemeinsam wollen wir über notwendige Arbeitsmarkt- und Sozialversicherungsinstrumente sprechen, aber auch über das sich wandelnde gesellschaftliche Bild der Frauen* und ihr heutiges Selbstverständnis. Haben wir erreicht, was wir wollten, wenn Frauen* von ihrer Wahlfreiheit Gebrauch machen und sich gegen emanzipatorische Lebensentwürfe entscheiden? Im Mittelpunkt der Diskussion soll es um die Frage gehen, weshalb der Heiratsmarkt im 21. Jahrhundert für Frauen* scheinbar wieder attraktiver ist als der Arbeitsmarkt und wie die neue Flucht in das Private zu erklären ist. Wie erleben und erklären sich unterschiedliche Generationen von Feminist*innen diese Prozesse? Und wie lassen sich scheinbar individuelle Lebensentscheidungen im Kontext neoliberaler und gesellschaftlicher Anforderungen diskutieren?

Die Referent*innen nähern sich dieser Frage aus unterschiedlichen Generationen und Perspektiven. Sie diskutieren, haben Projekte gegründet und bloggen. Neben einem kleinen Impuls soll gemeinsam darüber nachgedacht werden, wie Formen von Protest und solidarische Praxen aussehen könnten.

Forum: Mein Bauch gehört mir
Evangelische Akademie, Panoramasaal
Raum ist barrierefrei

Referent*innen: Bündnis für körperliche Selbstbestimmung Frankfurt, Sibylla Flügge (Prof*in i.R. für Recht der Frau, Frankfurt UAS), pro familia Frankfurt, Thea Vogel (FamilienGesundheitsZentrum Frankfurt), Virginia Wangare-Greiner (Maisha e.V.)
Moderation: Kristina Nottbohm (Heinrich-Böll-Stiftung Hessen)

Bereits in der Weimarer Republik kämpften Frauenrechtlerinnen gegen das im Strafgesetzbuch verankerte Abtreibungsverbot. Arbeiterinnen wie auch bürgerliche Frauen waren gezwungen, eine ungewollte Schwangerschaft entweder unter gesundheitsgefährdenden, teilweise lebensbedrohlichen Umständen abzubrechen oder diese gegen ihren Willen, häufig in materieller Not und sozialer Isolation auszutragen.

Unter dem Motto „Mein Bauch gehört mir“ mobilisierten in den 1970er Jahren Aktivistinnen der zweiten Frauenbewegung mit Selbstbezichtigungskampagnen, Protestschreiben und Solidaritätsaktionen für sexuelle Freiheit, den Zugang zu Verhütungsmethoden und für einen legalen und sicheren Schwangerschaftsabbruch.

Mitte der 1990er Jahre kam es nach langen Kontroversen zu einem parteienübergreifenden und seitdem gültigen Kompromiss: Schwangerschaftsabbrüche gelten weiterhin als Straftat gegen das Leben. Sie bleiben jedoch straffrei sofern sie innerhalb der ersten 12 Wochen erfolgen und Frauen sich zuvor haben beraten lassen. Nach Ablauf dieser Frist ist ein sogenannter Spätabbruch nach medizinischer Indikation möglich.

Mit den jüngsten Debatten um die § 219a und § 218 ist dieses frauenpolitische Thema nach 20 Jahren relativer Ruhe wieder in die Öffentlichkeit zurückgekehrt. Vor diesem Hintergrund möchten wir diskutieren: Sind die Forderungen der ersten und zweiten Frauenbewegung trotz niedriger Abbruchsraten, einer liberaleren Sexualmoral und besserer Vereinbarkeit von Beruf und Familie noch aktuell? Mit welchen Barrieren und rassistischen Diskriminierungen im Zugang zu sexueller und reproduktiver Gesundheit sind Frauen konfrontiert? Wie umgehen mit einer sich verschlechternden Versorgungslage, da immer weniger Ärzt*innen und Krankenhäuser bereit sind, Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen? Welche Handlungsbedarfe gibt es angesichts zunehmender Anfeindungen von Ärzt*innen, Beratungsstellen und ratsuchenden Frauen? Was tun gegen die europaweite Mobilisierung religiös-konservativer Gegner reproduktiver Selbstbestimmung?

Forum: Queerverbindungen 1978-2018: Lesbisch-feministische-queere Interventionen, Strategien und Orte
Frauenbegegnungszentrum EVA
Raum ist nicht barrierefrei

Mit: Simin Jampoolad, Prof. Dr. Ulrike Schmauch (Frankfurt University of Applied Sciences), solidarisch unaufgefordert queer (SUQ), Fransenbar Moderation: Elena Barta (Koordinierungsstelle für LSBTIQ Themen)

Die Kritik an Heteronormativität ist Teil feministischer Kämpfe. Sie wurde und wird in Frankfurt sowohl als Teil von Frauenzentren, als auch explizit in lesbischen oder LSBTIQ Gruppen verhandelt. An welchen Orten Frankfurts und unter welchen Bedingungen konnten lesbische und queere Kämpfe gedacht und vorbereitet werden? Welche Ausschlüsse gab es innerhalb feministischer aber auch innerhalb lesbischer oder queerer Bewegungen? Welche Strategien waren für autonome und institutionalisierte Gruppe zu welchem Zeitpunkt richtig? Wo sind Gemeinsamkeiten und Unterschiede und was können wir daraus für die Zukunft mitnehmen?

Workshop: Kunst, Revolte, Allianzen
Historisches Museum, Leopold-Sonnemann-Saal
Raum ist barrierefrei

Referent*innen: Karola Gramann und Heide Schlüpmann (Kinothek Asta Nielsen e.V.), Katharina Pelosi und Rosa Wernecke (Swoosh Lieu), Simone Dede Ayivi (Autorin, Regisseurin und Performerin), Bárbara Carvalho (Frauen*Theater-Festival/The Magdalena Project-international network of women in contemporary theatre)
Moderation: Elisa Liepsch (Künstlerhaus Mousonturm)

Feministische Kritik in Kunst, Kultur und Kino ist ein Bestandteil der zweiten Frauen*bewegung gewesen. Trotz zahlreicher Errungenschaften steht die strukturelle Diskriminierung von Frauen* weiterhin auf der Tagesordnung und die Kämpfe gehen weiter. Wie wirken sich Debatten wie #metoo auf die Thematisierung von Sexismus und Machtfragen im Kunstbetrieb aus? Wie haben sich Formen und Ausdruck feministischer Kritik verändert, u.a. durch den Einbezug queerer und intersektionaler Stimmen?

Im Workshop reflektieren wir gemeinsam mit den eingeladenen Referent*innen Strategien des Widerstands, Räume der Artikulation und Bündnisse in der jeweiligen Arbeitspraxis. Wie lässt sich Kritik kollektivieren und gemeinsam formulieren? Welche Allianzen und solidarischen Praxen können wir gemeinsam initiieren?

Workshopphase II (14.30 – 16.30 Uhr)

Workshop: Mein Nein meint Nein
Historisches Museum, Besprechungsraum
Raum ist barrierefrei

Referent*innen: Friederike Boll (Rechtsanwält*in), Hilke Droege-Kempf (Frauen helfen Frauen e.V.), Sunny Graff (Frauen in Bewegung e.V.), Nicole von Horst (Mitinitiatorin von #aufschrei, Bloggerin)
Moderation: Beate Herzog (Frauenreferat)

Gewaltverhältnisse sind eine der zentralen Themen feministischer Bewegungen. Insbesondere der zweiten Frauenbewegung ist es zu verdanken, dass Gewalt gegen Frauen und Mädchen eine größere öffentliche Aufmerksamkeit erhält. Selbsterfahrungsgruppen, Selbstverteidigungskonzepte, autonome Projekte, wie Frauenhäuser, Frauennotrufe entstanden. Gemeinsam mit etablierten Institutionen wurden Notfall- und Hilfsangebote für betroffene Frauen und Mädchen entwickelt. Aktuell gehen Feminist*innen neue Wege, #aufschrei, #ausnahmslos und #metoo beeindrucken mit großer Resonanz und solidarischer Kraft. Gleichzeitig entstehen im digitalen Netz neue Formen der Gewalt. Neue Allianzen führten im letzten Jahr zu einer Reform des Sexualstrafrechts „Mein Nein heißt Nein“. Welche Strategien im Kampf gegen Gewalt an Frauen und Mädchen sind und waren bedeutsam? Welche Relevanz haben dabei digitale Formen der Mobilisierung? Wie zeigen sich Gewaltverhältnisse heute? Welche Allianzen, welche Formen der Solidarität brauchen wir?

Forum: Her mit dem guten Leben
Historisches Museum, Seminarraum
Raum ist barrierefrei

Referent*innen: Kristin Ideler und Elfriede Harth (Netzwerk CareRevolution), Jan Wetzel (Putzfilmfestival), Pantoula Vagelakou (infrau e.V.), Encarnacion Gutiérrez Rodríguez (Professorin für Soziologie in Gießen)
Moderation: Beate Wörner (Frauenreferat)

Die Forderungen nach gleichberechtigter Teilhabe am Erwerbsleben, Bildung und Ausbildung und nach Entgeltgleichheit ziehen sich durch die Jahrhunderte der Frauenbewegung. Arbeitsleistungen, die mit der Lebens-Sorge verbunden sind, wie beispielsweise Kindererziehung, Hausarbeit, Pflege, müssen endlich anerkannt und wertgeschätzt sowie adäquat bezahlt werden, so lautete schon eine Forderung der zweiten Frauenbewegung. Diese Forderungen spiegeln sich in der heutigen Care-Debatte wie auch in der Diskussion um Vereinbarkeit von Beruf und Familie wider.

Wie könnte es uns gelingen, ein gutes Leben zu führen, und wie können jedem*r ausreichend Ressourcen für soziale Reproduktion und Sorgearbeit zur Verfügung stehen? Wie lassen sich dabei globale Macht-/Ausbeutungsverhältnisse in Bezug auf die Feminisierung und Migrantisierung jener Aufgaben thematisieren. Welche Wertschätzung, Anerkennung und Ressourcen müssen Care-Berufe sowie die bislang unsichtbaren Arbeitsleistungen erfahren? Wie ist das mit dem „bedingungslosen Grundeinkommen“ und welche Allianzen gilt es zu schmieden?

Im Workshop werden wir über diese und weitere Fragen interaktiv diskutieren. Methodisch lädt der Workshop zur gemeinsamen Arbeit an dem Thema ein.

Forum: Politische Partizipation – Mädchen*_Frauen* an die Macht!
Historisches Museum, Leopold-Sonnemann-Saal
Raum ist barrierefrei

Referent*innen: Judit Alema (DaMigra e.V.), Dörthe Jung (aktiv in der autonomen Frauenbewegung und Gründerin von Frauenprojekten und -initiativen in Frauenfurt), Mädchen* (Internationaler Mädchen*tag), Das autonome Frauen*Lesben Referat der Johann Goethe Universität (AF*LR), Christiana Klose (Pionierin der feministischen Mädchenarbeit und Gründerin des ersten bundesweiten Mädchentreffs in Frankfurt), Sinah Klockemann (FeM Mädchenhaus e.V.)
Moderation: Mechtild M. Jansen (Heinrich-Böll-Stiftung Hessen)

Die politische Teilhabe von Frauen* und Mädchen* ist wohl einer der zentralen Kämpfe, den frauenbewegte Frauen und Feminist*innen aller Richtungen teilen und teilten. Im Jahr 2018 jährt sich das Frauenwahlrecht zum 100sten Mal. Die zweite Frauenbewegung feiert ihr 50jähres Jubiläum. Mit einem ironisierendem Paukenschlag behandelten Feministinnen damals das Thema politische Partizipation: sie verweigerten die Teilhabe an traditionellen politischen Parteien, Organisationen und gesellschaftlicher Öffentlichkeit. Mit Demonstrationen, der Initiierung von Skandalen und der Etablierung öffentlicher Frauenräume machten sie auf ihre Forderungen und Lebenssituation aufmerksam. So erreichten sie, dass Fragen der politischen Partizipation von Frauen*und Mädchen* bis heute nachhaltig auf die Agenda politischer Öffentlichkeit kamen und sich ein breites Spektrum feministischer Politik und Praxis entwickeln konnte.

Im Forum treffen Aktivistinnen aus der zweiten Frauenbewegung mit jungen Frauen* aus der feministischen Mädchen*arbeit, Migrant*innenselbstorganisationen, dem autonomen und studentischen Kontext zusammen. Sie präsentieren jeweils unterschiedliche Positionen und Formen von politischer Intervention, Organisation und Einmischung und fragen nach Kontinuitäten, Weiterentwicklung und Perspektiven politischer Partizipation von Frauen* und Mädchen*. Gemeinsam fragen sie sich: Was bedeutet für sie Partizipation und Teilhabe? Was ist feministische Politik und Politik für Frauen* und Mädchen*? Welche Themen und Forderungen lassen sich aus intersektionalen Perspektiven ableiten? Wie können politische Alltagspraxen von Frauen* und Mädchen* sichtbarer werden? Welche Formen, Aktionen und Projekte gab es damals und gibt es heute in Frankfurt, um Kritik und Einmischung sichtbar zu machen und zu organisieren?

Workshop: „Your Silence Won´t Protect you…“ – Feministische Perspektiven mit Blick auf Solidarität und Allianzen. Eine Einladung zum Gespräch.
Frauenbegegnungszentrum EVA
Raum ist nicht barrierefrei

Referent*innen: Eleonore Wiedenroth-Coulibaly, Harpreet Kaur Cholia, Michal Schwartze, Nabila Bushra
Moderation: Denise Bergold-Caldwell

„Euer Schweigen schützt euch nicht“ (Audre Lorde)

Der Workshop versucht den vielfältigen feministischen Kämpfen, Erfahrungen und Praxen in Vergangenheit und Gegenwart gerecht zu werden. Ausgehend von einem intersektionalen Blick auf und Kritik an feministischen Bewegungen, Narrativen und Ausschlüssen denken die Referent*innen über Bündnisse, Allianzen und solidarische Handlungspraxen nach. Vertreten sind dabei jüdische, muslimische, migrantische, post-DDR-deutsche und queere Perspektiven von Schwarzen Frauen* und Frauen* of colour. Aus intergenerativen Perspektiven sprechen sie über Erfahrungen von Ausschluss und Bedingungen gelingender Solidarität. Die Referent*innen reflektieren dabei die Anfänge der Schwarzen Frauen*bewegung in Frankfurt, die früheren Kämpfe von Migrant*innen, ihre Formen und Praxen von Kritik und Selbstorganisation ebenso wie aktuelle lokale und digitale Formen der Mobilisierung und des Empowerments.

Welche Bedeutung haben intersektionale Feminismen heute? Was können wir aus intersektionalen Bewegungsgeschichten lernen? Was hat sich verändert? Was hat sich bewegt? Wo hakt es? Was braucht es? Welche Zwischen-/Möglichkeitsräume gibt es sich im Kontext verschiedener Identitätsboxen zu bewegen und zu organisieren? Welche Verständnisse von Solidarität und Allianzen gibt es? Gibt es Grenzen? Welche Zugänge zu Wissen und Transfer gibt es? Wie können solidarische Bündnisse miteinander aufgebaut werden?

Forum: My body my choice – Von der körperliche Selbstbestimmung bis zur Selbstoptimierung
Evangelische Akademie, Panoramasaal
Raum ist barrierefrei

Referent*innen: Dr. Barbara Krebs, Sigrid Borse und Katharina Avemann (drei Generationen des Frankfurter Zentrums für Ess-Störungen), Angelika Zollmann (Gesundheitsreferentin in der Frauengleichstellungsstelle des Landes Bremen (ZGF), Christelle Nkwendja-Ngnoubamdjum
Moderation: Marianne Schmidbaur (Cornelia Goethe Centrum)

Der gesellschaftliche Druck „schön zu sein“ ist groß. Die Idealbilder in Medien und Öffentlichkeit erlauben wenig Spielraum. Schönheit heißt heute: weiß, jung, schlank, makellos. Schönheit ist ein Markt, die Beauty-Industrie verbucht satte Gewinne, Tendenz steigend. Frauen* und Mädchen* nehmen die breite Angebotspalette an, gestalten und formen ihren Körper. Gleichzeitig formiert sich Widerstand, sichtbar in Blogs, Kampagnen und Initiativen. Zudem ist das Thema Selbstbestimmung und Schönheit nicht neu und schon immer im Fokus feministischer Bewegungen in Frankfurt gewesen. Der Workshop lädt zu einem intergenerativen und intersektionalen Blick auf Köperpolitiken und Bewegungsgeschichte(n) ein.

Dr. Barbara Krebs wird beispielsweise Einblicke in die Gründungsgeschichte des Frankfurter Zentrums für Ess-Störungen geben. Sie geht der Frage nach, mit welchen Utopien und Bedarfen diese Gründung verbunden war. Welche Strategie und Interventionen die Mitarbeiter*innen des Zentrums heute verfolgen skizzieren Sigrid Borse und Katharina Avemann. Sie geben Einblicke in veränderte Formen und Formate: Von was ich wollte bis #was_ich_will. Angelika Zollmann wird die Perspektive um den Blick auf die Frauengesundheitsbewegung in Frankfurt erweitern. Sie selbst ist viele Jahre im FFGZ (Feministischen Frauengesundheitszentrum) aktiv gewesen und wird feministische Praxen und politische Debatten beleuchten. Christelle Nkwendja-Ngnoubamdjum wird aus einer aktivistischen und intersektionalen Perspektive das Thema aufgreifen. Sie fragt sich, welche Möglichkeiten es zur Intervention gibt und braucht. Gemeinsam fragen sie sich: Wie können wir an diesen neuen und alten Auseinandersetzungen anknüpfen? Welche Formen des Protestes können wir gegen den gesellschaftlichen Normierungsdruck entwickeln? Wie kann Solidarität entstehen und aussehen, digital und analog?

Tag 3

Samstag, 24. November 2018

ab 11 Uhr
im Historischen Museum

Ablauf

11 Uhr
Gemeinsamer Brunch zum Thema „Das Private ist politisch“ – „Feministische (Gegen) Öffentlichkeiten“
Ulla Wischermann (Cornelia Goethe Centrum) richtet einleitend Spotlights auf „Feministische (Gegen) Öffentlichkeiten vom 19. Jahrhundert bis heute“ ein.
Mit dabei: Sonja Eismann (Missy Magazine), Regine Othmer/Mechthild Veil (Feministische Studien), Nina Fachinger (Journalistinnenbund), Hadija Haruna-Oelker (Neue Deutsche Medienmacher*innen), Elke Kiltz (Frankfurter Frauenblatt), Antje Schrupp (Bloggerin), Nicole von Horst (#aufschrei, Bloggerin) und weitere.
Moderation: Hadija Haruna-Oelker und Margret Krannich (Heinrich Böll Stiftung Hessen).

14 Uhr
Führung durch die Ausstellung „Damenwahl! 100 Jahre Frauenwahlrecht“.

Öffentliche Orte, an denen Geschlechterverhältnisse zum Thema gemacht und kritisch analysiert werden, sind für emanzipatorische Veränderungen von zentraler Bedeutung. Frauenbewegungen schufen und schaffen sich eine Vielfalt von Öffentlichkeiten und Medien, um ihre jeweiligen Erfahrungen, Lebensrealitäten, Anliegen und Forderungen auszudrücken, öffentlich zu diskutieren und Veränderungen einzufordern. Die Frage nach und die Notwendigkeit von solidarischen (Gegen) Öffentlichkeiten und Allianzen erscheint am Ende des Kongresses und im Kontext eines erstarkenden Rechtspopulismus und Antifeminismus mehr als angebracht. Gemeinsam wollen wir schauen: Wie können feministische Perspektiven in öffentliche Debatten gebracht und dort verankert werden? Welche (Gegen)Öffentlichkeiten haben sich Feminist*innen geschaffen und wie wurden oder werden sie genutzt? Was sind die jeweiligen Anliegen und Erfahrungen?

Bei veganem Brunch und in lockerer Atmosphäre findet ein Austausch mit unseren Gäst*innen und den durch sie vertretenen Medien oder Initiativen statt. Die Idee ist es mit einer Tasse Kaffee an verschiedenen Tischen mit jenen Vertreter*innen ins Gespräch zu kommen.

Anschließend gibt es die Möglichkeit einer Führung durch die Ausstellung „Damenwahl! 100 Jahre Frauenwahlrecht“ im Historischen Museum mit der Kuratorin der Ausstellung Dorothee Linnemann.

Anmeldung und Veranstaltungsinformationen

Die Tagungsgebühr beträgt 30 €. In dieser Gebühr ist die Verpflegung für alle drei Veranstaltungstage inklusive. Das gesamte Programm ist für Studierende und Rentner*innen sowie Menschen mit Frankfurt Pass kostenfrei. Bei Ihrer Anmeldung bitten wir um die Zusendung einer Kopie des Studierendenausweises bzw. eines Rentenausweises an info.frauenreferat@stadt-frankfurt.de. Sollte es aus anderen Gründen nicht möglich sein, die Gebühr zu zahlen, teilen Sie es uns mit. Es findet sich eine Lösung.

Für die Teilnahme an der Gesamtveranstaltung wird um Anmeldung bis Mittwoch, 7. November 2018 gebeten. Nach der Anmeldung erhalten Sie eine Mail mit allen wichtigen Informationen sowie einer Anmeldebestätigung. Eine Teilnahmebestätigung/Quittung wird vor Ort im Tagungsbüro ausgehändigt.

Vor Ort gibt es ein durchgängig besetztes Tagungsbüro. Hier erhalten Sie eine Tagungsmappe, Teilnahmebestätigung sowie weitere Informationen. Bis auf die Räume im EVA – Frauenbegegnungszentrum sind alle Räume barrierefrei zugänglich. Bitte teilen Sie uns mit, wenn Übersetzungsbedarf in andere Sprachen oder Gebärde sowie unterstützende Kommunikation benötigt wird.

Die gesamte Veranstaltung wird von einem intergenerativen Filmteam – Ursula Schmidt und Vita Spieß – begleitet. Mit Ihrer Teilnahme stimmen Sie den Aufnahmen, auf denen Sie erkennbar sein könnten, und deren Veröffentlichung in Print- und Onlinemedien zu.

Weitere Informationen und Anreisedetails

Online-Anmeldung

Bitte teilen Sie uns Ihren Namen, Anschrift und ggfs. Institution mit. Außerdem bitten wir Sie anzugeben, an welchen Programmpunkten Sie teilnehmen werden – es kann jeweils vormittags und nachmittags ein Workshop/Forum gewählt werden. Die Angabe Ihres Geburtsjahres/-datums ist freiwillig. Damit wollen wir erfassen, welches Generationenspektrum wir tatsächlich abbilden.

Persönliche Angaben

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Bei Ihrer Anmeldung bitten wir um die Zusendung einer Kopie des Studierendenausweises bzw. eines Rentenausweises oder Frankfurt-Passes an info.frauenreferat@stadt-frankfurt.de

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Programmpunkte (bitte auswählen)
Es kann jeweils vormittags und nachmittags ein Workshop/Forum gewählt werden.

Donnerstag, 22. November 2018

Freitag, 23. November 2018

Workshopphase I (10.30 – 12.30 Uhr)

Workshopphase II (14.30 – 16.30 Uhr)

Samstag, 24. November 2018

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